Fondation Art-Therapie

«Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden.»

Paul aster, schriftsteller

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Was ist Kunsttherapie?

Kunsttherapie wird als Überbegriff verstanden für psychotherapeutisch orientierte Therapieformen, die mit kreativen, künstlerischen Mitteln arbeiten. Dazu gehören fünf verschiedene, staatlich anerkannte Fachrichtungen:

  • Gestaltungs- und Maltherapie
  • Bewegungs- und Tanztherapie
  • Drama- und Sprachtherapie
  • Intermediale Therapie
  • Musiktherapie

Singen und Musik, Malen, Gestalten und Bewegen ermöglichen einen Ausdruck für das Erlebte und die eigenen Empfindungen zu finden. Der therapeutische Ansatz ist ganzheitlich und individuell, mit dem Ziel, vorhandene Ressourcen zu aktivieren und die Selbstregulation des Menschen auf geistiger, seelischer, körperlicher und sozialer Ebene zu fördern. Kunsttherapie stärkt die Autonomie, aktiviert Selbstheilungskräfte und unterstützt persönliche Entwicklungsprozesse.

Gestaltungs- und Maltherapie

Beim Malen und Gestalten setzt sich der Mensch ins Bild. Damit bekommt er einen unmittelbaren, sinnlichen Zugang zu sich selbst, seinen derzeitigen Ressourcen, Problemen und Störungen. Die Konzentration auf den bildnerischen Gestaltungsprozess ermöglicht ihm eine vertiefte Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Umwelt und fordert dazu auf, in Farben und Formen auszudrücken, was nicht in Worte gefasst werden kann.

Bewegungs- und Tanztherapie

Die Auseinandersetzung im und mit dem physischen, emotionalen und subtilen Körper sind zentrale Bestandteile der Tanz- und Bewegungstherapie. Dabei werden Möglichkeiten eröffnet, den Körper in einem erweiterten Bewegungsumfang, im präziseren Wahrnehmen seiner Eigenheiten, in Improvisation und Gestaltung zu erfahren. Dadurch werden der direkte, präverbale, nonverbale und verbale Ausdruck sowie die Kommunikation mit der Umwelt gefördert, was einen erfahrungsorientierten, sinnlichen Umgang mit Problemen und Krankheiten ermöglicht.

Drama- und Sprachtherapie

Die therapeutische Arbeit mit Sprache und Drama wendet gezielt sprachliche, gestische, dramatische und gestalterische Mittel für therapeutische Zwecke an. Szenen des Lebens werden in eine dramatische Realität umgewandelt. Diese imaginative Wirklichkeit wird exploriert, sinnlich erfahrbar gemacht und in einem künstlerisch-therapeutischen Prozess erweitert und verwandelt. Der sichere Rahmen ist ein Experimentierfeld, der das spielerische Entdecken und Entfalten von neuen Ausdrucksmöglichkeiten und Lebensrollen fördert.

Intermediale Therapie

Die Intermediale Therapie setzt die verschiedenen Sprachen der Künste, wie Bild, Musik, Bewegung, szenisches Spiel, dreidimensionales Gestalten, Performance und neue Medien ein. Die vielfältige Wahrnehmung über alle Sinne eröffnet eine Vielfalt von Ressourcen und Lösungsansätzen. Zentraler Bestandteil dieser Fachrichtung ist das Angebot verschiedener künstlerischer Medien und deren Kombination und Verknüpfung, wodurch Breite und Tiefe erreicht wird.

Musiktherapie

Musik bewegt, weckt Gefühle und kann diese zum Ausdruck bringen. Sie öffnet die Tür zum Innersten des Menschen. Musik entsteht durch stetigen Wechsel und hat dadurch ein besonderes Verhältnis zur Entwicklung, zum Werden. Durch die spielerischen Erfahrungen an Instrumenten, mit der eigenen Stimme und im Umgang mit den musikalischen Elementen Melodie, Harmonie und Rhythmus wird ein therapeutisch-kreativer Prozess in Gang gebracht, welcher körperlich, seelisch und geistig stabilisierend, aufbauend und heilend wirkt.

In einem Spital sind die Kunsttherapeuten Teil eines multidisziplinären Behandlungsteams. Die passenden Massnahmen werden im betreuenden Team besprochen und auf die dem Alter, den Möglichkeiten und Neigungen entsprechenden, individuellen Bedürfnissen der Patienten abgestimmt.

Seit 2011 ist der Titel Diplomierte Kunsttherapeutin / Diplomierter Kunsttherapeut (ED) durch das Bundesamt für Berufsbildung (BBT) als eigenständiger Beruf anerkannt und geschützt. Die Prüfung wird durch die OdA ARTECURA unter Aufsicht des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation, SBFI, ausgerichtet.

Indikationen für die Kunsttherapie bei Kindern und Jugendlichen

 

Für Kinder und Jugendliche ist ein Spitalaufenthalt ein einschneidendes, oft schmerzhaftes Ereignis. Sie werden abrupt aus ihrem Umfeld und «heilen Welt» gerissen, was Ängste und negative Gefühle auslöst. Eine schwereKrankheit oder ein Unfall erfasst ein Kind in allen Facetten seines Seins: physisch, emotional und psychisch. Die jungen Patienten kämpfen nebst den körperlichen Folgen ihres Gesundheitszustandes oft mit Schuldgefühlen.

Sie interpretieren ihre Krankheit und den Spitalaufenthalt als Folge eines Fehlverhaltens. Kunsttherapien berühren kranke Kinder dort, wo Spritzen und Medikamente niemals hinreichen. Sie helfen den jungen Patienten, sich und ihr Leiden über Kreativität auszudrücken, ihre Persönlichkeit und das Erlebte besser zu verstehen sowie Ängste und Konflikte auf eine kreative, spielerische Weise zu verarbeiten.Wie die Weltgesundheitsorganisation berichtet (p.29-36), fördern und beschleunigen diese sanften und nicht-invasiven Therapien den Heilungsprozess und wirken sich langfristig positiv auf die Gesundheit der jungen Patienten sowie ihrer Familien aus.

Behandungsbereiche:

(Liste nicht abschliessend)

Krankheiten

Wirkung der Kunsttherapie

Bei Früh- und Neugeborenen:

Adaptations- und Gedeihstörungen, Ernährungsstörungen, angeborene Fehlbildungen (z.B. Herzfehler), Störungen der Gehirnentwicklung, Infektionen.

Förderung der Gehirnentwicklung, Verbesserung der Atmung, Stressabbau, Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung
Risikoschwangerschaften, Stillprobleme, Bindungsschwierigkeiten Entspannung, innere Ruhe, Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung

Chronische Krankheiten:

Herzkrankheiten (z.B. angeborene Herzfehler), Atemkrankheiten (z.B. Asthma), Stoffwechselkrankheiten (z.B. Diabetes), Krebs (z.B. Leukämie), Epilepsie, Hautkrankheiten, Allergien, angeborene Fehlbildungen und Behinderungen

Aktiv der Krankheit entgegentreten, Begleiterscheinungen der Krankheit mildern, Ausdruck des Leidens ohne Worte, eigene Ressourcen finden, Kraft schöpfen, Distanz zum Leiden finden

Akute Krankheiten:

Infektionen (z.B. Lungenentzündung, Hirnhautentzündung, Sepsis) Chirurgische Eingriffe, Unfälle

Psychosomatische Krankheiten und Störungen:

Essstörungen (Adipositas, Anorexie, Bulimie), psychische Erkrankungen, Verhaltensstörungen (Angst, Aggression, Regression, Depression, Borderline-Syndrom)

Das Erlebte ausdrücken, den Körper und das Körperbild bewusst wahrnehmen, das Selbstwertgefühl verbessern, die Lebensqualität steigern

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CH-1206 Genève

+41 78 838 24 26
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Mitglied von proFonds, Schweizerischer Dachverband für gemeinnützige Stiftungen und Vereine.

Gender-Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter.